Sonntag, 11. März 2007

Das Wasser wird knapp












Es ist heute sehr heiß, und ich tropfe nur noch vor mich hin. Ich versuche meinen PC vor meinem Schweiß zu schützen, so gut es geht. Staub überall und dann auch noch Wasser, das ist bestimmt nicht so gut.

Die Menschen um mich herum transpirieren genau so wie ich. Jetzt wird auch das Wasser in den Brunnen knapp und die Stimmung der Menschen zunehmend aggressiver. An der einzigen Pumpe vor unserem Krankenhaus steht eine lange Schlange von Kanistern, die alle langsam, wie von Geister Hand, Richtung Pumpe wandern. Sie sind irgendwie markiert und werden nach einem System gefüllt, das ich nicht durchschaue. Manchmal denke ich, welch eine Disziplin, dann wird es aber doch wieder etwas laut, da einige der Wartenden sich nicht an die Reihenfolge halten wollen. Diese Pumpe versorgt die Menschen aus einem Umkreis von 30 – 50 Minuten Fußweg. Wasser wird grundsätzlich von den Frauen und Mädchen geschleppt. Es scheint unter der Würde der Männer zu sein, diese schwere körperliche Arbeit zu verrichten.

Unsere Trägerin hat heute schlapp gemacht, sie kann auch allein die Arbeit nicht mehr schaffen. Es ist richtig schwer, das Wasser nach oben zu pumpen. So haben wir jetzt für die Nacht eine Zweite angestellt, da nachts nicht mehr so viele Menschen kommen und sich ein Fass schneller füllen lässt. Wir trinken dieses Wasser, gereinigt über Filter, benutzen es zum Waschen, Duschen und Kochen. Für vier Personen kommen da schon einige Liter zusammen. Wenn ich an den Verbrauch zu Hause denke, ist es aber nur ein Bruchteil dessen, was man so am Tag in Deutschland verbraucht. Man lernt den Wert von Wasser wieder zu schätzen. Wer macht sich bei uns darüber eigentlich noch Gedanken? Wenn der Brunnen austrocknet, müssen wir für viel Geld Wasser aus Kauda, dem nächsten Ort, kommen lassen. Ich befürchte, dass das dann nicht mehr so sauber ist. Weiß der Henker, in welchen Fässern das Wasser transportiert wird. Wir können das zahlen, die anderen vor der Tür nicht. Sie müssen dann ihr Wasser über eine Stunde lang schleppen. Dann trinken sie noch weniger als sonst üblich, und sie werden noch schmutziger.
Für mich kaum noch vorstellbar, was dann für Arbeit auf uns zu kommt.

Dieses Problem des Wassermangels werden wir weltweit erleben. Es gibt Landstriche auf der Welt, da ersaufen die Menschen im Wasser und andere Gebiete wie hier, wo man um jeden Tropfen ringen muss. Die Menschen in Lwere kennen das Problem, es besteht jedes Jahr. In diesem Jahr nur sehr viel früher als sonst. Global Warming kennen sie nicht als Begriff, nur die praktischen Auswirkungen lassen sie immer schlechter leben. In zwei Monaten kommt dann die Regenzeit, wo die trockenen Flussbetten zu reißenden Strömen werden und dann neue Gefahren auf die Menschen zu kommen. Unpassierbare Straßen, Schlamm und Schlamm-
lawinen, die Mücken und dann Malaria, an der die Kinder, die schwangeren Frauen und die alten Menschen sterben. Der Killer in Afrika schlechthin.

Wir Menschen in der westlichen Welt sind die Hauptverursacher dieser Umweltproble-
matik mit unserem Hunger nach Wohlstand, Luxus und den vielen anderen vermeintlich unentbehrlichen Annehmlichkeiten der westlichen Zivilisation. Es muss immer mehr sein, höher, weiter und schneller. Viel weiter als über unseren Tellerrand wollen wir nicht sehen. Klar ist, dass meistens die armen Menschen die Folgen zu tragen haben. Siehe meine derzeitige Lebenssituation in Hitze und Wassermangel oder Bangladesh mit Hitze und Überschwem-
mungen.
Wie mir Renate berichtete, ist aber gerade auch bei Euch die Diskussion über dieses Thema akut. Ich würde mir wünschen, dass möglichst viele Menschen wach werden, denn irgendwann wird es auch zu einem Problem von uns Menschen in den westlichen Ländern werden. Fakt ist, dass wir viel mehr zu verlieren haben als die Menschen hier. Wenn es sich nicht mehr leben lässt, verlassen die Menschen ihre Heimat in Afrika. Es gibt eh nichts mitzunehmen, da man nichts besitzt. Wir sind nicht so flexibel, da wir auf unserem Reichtum sitzen und über jeden Euro jammern, der verloren geht.

Mir geht es trotz allem gut, mitunter recht müde bei der anfallenden Arbeit und den Lebens-
bedingungen. Ich wünsche Euch eine gute Woche.

Euer
Klaus

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